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Kleiner Klaus - Armer Klaus


Klaus drückt sich die Nase platt

an der Scheibe, denn er hat

heut’ kein Geld,

schlechte Welt.

 

Doch im Bäckerladen liegt

warmes Brot, der Hunger siegt,

Klaus geht rein,

ganz allein.

 

Fragt die Chefin: “Was willst du?”

“Ich hab’ Hunger immerzu”,

sagt der Klaus

und fliegt raus.

 

“Ja, wo komme ich denn hin,

wenn ich nett zu allen bin?

Lumpenpack!

In den Sack!”

 

Traurig geht der Klaus davon,

denn er wusst’ es vorher schon,

dass der Tag

ihn nicht mag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gänsehaut

  

“Komm’ gesund nach Haus’ zurück”,

sagt die Mutter, “und viel Glück.

Sollst auch manchmal an mich denken

und nicht nur den Flieger lenken.”

 

Drückt ihn kurz, er geht davon.

Sie ist stolz auf ihren Sohn,

Kampfpilot und flugerfahren

und dabei noch jung an Jahren.

 

Geht davon, denn es ist Krieg,

und sein Präsident will Sieg,

will den bösen Feind bekehren,

denn der lässt sich nicht belehren.

 

Fliegt im ersten, zarten Blau,

und sein Jet ist stark und grau,

wird die Last an seinen Schwingen

ganz gewiss nicht wiederbringen.

 

Und das Land versinkt im Staub,

denn der Frieden ist so taub,

lang vorbei die Zeit der Spiele,

und der Ziele sind so viele.

 

Letzte Bombe muss von Bord,

schneller Blick, ein rasches Wort,

kurzer Druck und dann ein Lauschen

und die Stille nach dem Rauschen,

und er flüstert: “Fly to kill!”

In der Kanzel wird es still,

aber nur ein paar Sekunden,

dann ist noch ein Ziel gefunden.

 

Heiß die Sonne, weit von hier

spielen Kinder vor der Tür,

hör’n den großen Vogel fliegen,

der ist immer noch am Siegen,

und ihr Tod hat kein Gesicht,

denn sie seh’n die Kugeln nicht.

Seine Bordkanonen dröhnen,

machen Leichen aus den Söhnen,

und er denkt an den Befehl,

der den Sieg erwartet: Schnell!.

Will die zweite Schleife fliegen,

um den Rest noch zu besiegen,

denn das Kind wird mal ein Feind,

und ganz gleich, wer darum weint,

weint doch nur um Feindes Leben.

Und dann fliegt er ohne Beben,

ziemlich gutgelaunt zurück.

Dieser Einsatz ist sein Glück,

denn er hebt ihn ein Stück weiter

hoch, auf der Karriereleiter.

 

 

 

 

 

 

 

 

Obdachlos


Geh’ nicht vorbei, wer du auch bist,

komm’, schau’ mich an, sag’ was du siehst.

Seit langem leb’ ich auf der Straße,

schief ist mein Mund, mir läuft die Nase,

hab’ in der Tasche keinen Pfennig.

Du nennst mich Penner, oh, das kenn’ ich.

Ich bin doch faul und arbeitsscheu

und nur dem Alkohol noch treu,

an meinem Elend selber Schuld,

der Staat hat viel zu viel Geduld,

mit solchen Typen, so wie mich.

Wie’s dazu kam, das fragst du nich‘.

Wen int’ressiert schon mein Befinden,

nur eins willst du, ich soll verschwinden.

 

 

Bin obdachlos und hab’ kein Geld,

doch nicht nur das ist’s, was mir fehlt.

Ich werd’ gestoßen und getreten,

hab’ nicht mal einen Platz zum Beten.

Ich schlafe hart auf kalter Erde

und wünscht’, dass es doch besser werde.

Ich hab’ kein Heim, kein eigen Dach,

lieg’ stundenlang des nachts nur wach,

aus Angst, dass mir was weggenommen,

was ich zuvor vom Müll bekommen.

Kein Weib, kein Kind und keine Liebe,

was nützt’s, wenn ich am Leben bliebe?

Bin doch schon jetzt so gut wie tot

und kämpf’ um jedes Stückchen Brot.

Verfilzt mein Haar, verlaust die Sachen,

die Zähne will mir Keiner machen.

Ich seh’ grad aus wie ein Gespenst,

das du nicht mehr beim Namen nennst

und hab es selbst schon lang vergessen,

wie ich als Mensch am Tisch gesessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vaterliebe !

  

„Oh Papa, mein Papa, bitte tu’s nicht!“

Und wieder ist Angst auf ihrem Gesicht.

Angst vor dem Vater, der wankend hier steht

und Ekel vor dem, was rüber jetzt weht.

Es kommt zu der Gier noch sauer sein Schweiß.

„Oh Papa, tu’s nicht!“ Sie bittet’s ganz leis’.

 

Da ist er bei ihr und hat’s nicht gehört

und wenn schon, was macht’s,

es hätt’ nicht gestört.

 

So zwingt er und nimmt sie, tut ihr so weh.

„Gott geb’, dass uns beide keiner hier seh’!“

Sie liegt neben sich und spürt keinen Schmerz,

weiß nur ganz genau, er tötet ihr Herz.

Das kann nie mehr lieben, wird nie versteh’n,

auch nicht die Mutter, die hat es geseh’n.

Sah ihre Augen und wandte sich ab.

„Ich wünsch’ mir nur ein’s

 ich wünsch’ mir mein Grab.“

 

So weint sie jetzt leis’ und möchte doch schrei’n

und ist einmal mehr mit sich so allein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allein seit dieser Nacht


„Tschüss, bis bald!“ - Er geht zur Tür.

Kommt zurück - ein Kuss von ihr -

doch nun los, es wird zu spät,

wenn er länger bei ihr steht,

und sein zögerliches Lachen

wird in Träumen und im Wachen

ihr ab jetzt vor Augen steh’n,

doch sie lässt ihn schließlich geh’n.

 

Tag vergeht, es wird halb vier,

sie schaut öfter jetzt zur Tür,

aus dem Fenster, macht schon Licht,

doch er kommt noch immer nicht.

Es wird sieben, es wird acht,

und was sie noch nie gedacht,

stiehlt sich jetzt in die Gedanken

und macht ihre Liebe wanken.

 

Es wird zehn, vor ihrer Tür

hält ein Wagen, und in ihr

streitet Kummer sich mit Freude,

doch es sind zwei fremde Leute.

Treten näher, sind verlegen,

und sie kann sich nicht bewegen,

will nicht wissen, was sie weiß,

und ihr Herz gefriert zu Eis.

 

Will’s nicht glauben, will noch hoffen,

Herz und Seele sind noch offen,

doch schon fliehen ihre Sterne,

schwach und kalt in weite Ferne,

und die Nacht verschlingt ihr Leben –

Sie und ihn wird’s nicht mehr geben.